Franz Sales Haus · Jahresbericht 2018

Vorwort

Individualität

Liebe Leserinnen und Leser,

in einer Zeit, die zunehmend anonymer mit Menschen umgeht, die ein Handicap haben oder aus anderen Gründen benachteiligt werden, geht es mehr denn je darum, sich für den Einzelnen einzusetzen. Jeder Mensch hat Ideen und Wünsche für sein Leben – wie er wohnen möchte, welche Arbeit ihm wichtig sein könnte, was er in seiner Freizeit unternehmen könnte. Seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und die persönlichen Vorstellungen in den Mittelpunkt zu stellen: Darauf zielt das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ab, mit dem das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung weiter an Bedeutung gewinnt. 

Diesen zentralen Aspekt des BTHG, der auch die Entwicklungen in unserem Haus prägt, nehmen wir mit dem Leitthema des Jahresberichts 2018 in den Blick: die Individualität des Menschen anzuerkennen und sie in unserer täglichen Arbeit zu berücksichtigen. Jeden Einzelnen nach seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten zu stärken und zu befähigen, um die größtmögliche Selbstbestimmung zu erreichen – dieses Ziel hat sich das Franz Sales Haus schon vor vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Diese Haltung bringen wir jetzt auch mit unserem neuen Motto „Leben – wie ich es will“ unter anderem in unserem Internetauftritt zum Ausdruck.

Natürlich lassen sich nicht alle Wünsche und Ideen im Leben realisieren, das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen. Persönliche, rechtliche, gesellschaftliche und andere Gegebenheiten setzen der individuellen Entfaltung Grenzen. Gerade Menschen mit Handicap sind hinsichtlich der Entfaltung ihrer Wünsche auf die Möglichkeiten angewiesen, die ihnen die Gesellschaft einräumt. Diese Möglichkeiten auszuschöpfen – darum geht es bei unserer Arbeit. Wir wollen daran mitarbeiten, Hindernisse zu identifizieren, zu benennen und sie schließlich aus dem Weg zu räumen. Deshalb sind wir mit vielen Akteuren gut vernetzt, die sich für die individuellen Rechte von Menschen mit Unterstützungsbedarf einsetzen.

Mit dem Begriff der Individualität – laut Duden die „Summe aller Eigenschaften, die die Besonderheit eines Menschen ausmachen“ – rückt die Einzigartigkeit des Menschen ins Blickfeld. Sie anzuerkennen und zu respektieren ist die Basis für unsere Arbeit, in der sich unser christliches Fundament ausdrückt. Jeden Menschen anzunehmen und individuelle Hilfen so zu gestalten, dass jeder die bestmögliche Zufriedenheit erreicht, ist schwierig und verlangt viel von den engagierten Mitarbeitern in unseren Unternehmen. Das BTHG definiert Strukturen und teilweise auch Aufgaben von Mitarbeitern neu. Gleichzeitig weist es auch dem Menschen mit Behinderung mehr Verantwortung für sein eigenes Leben zu. Damit ist unser Team mehr denn je gefordert, mit Empathie und Einfühlungsvermögen den Menschen mit Handicap zu begleiten, damit er sich in seine neue Rolle einfinden kann. Denn nicht jedem der von uns unterstützten Menschen fällt es leicht, selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Persönlich wirksam zu werden und gleichzeitig in großen Zusammenhängen aktiv zu sein – das ist die Herausforderung, der wir uns jeden Tag stellen. Wie wir auf diesem Weg im Jahr 2018 vorangekommen sind und was uns bewegt hat, können Sie in diesem Bericht nachlesen. Dabei stellen wir Ihnen zum Einstieg in die einzelnen Themen beispielhaft Menschen vor, die mit unserer Unterstützung ihren Weg machen, ihr Leben und ihre Freizeit gestalten. Wir freuen uns über alle, die Anteil nehmen am Leben in unserem Haus und die uns mit ihrem Engagement begleiten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Hubert Vornholt
Direktor des Franz Sales Hauses

Weiterblättern zu: