Franz Sales Haus · Jahresbericht 2018

Gesundheit

Von der Frühförderung bis zur spezialisierten ärztlichen Betreuung und Pflege für Menschen mit Behinderung reicht das Leistungsspektrum.

Besser leben

Gesundheit ist das Wichtigste im Leben: Das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung, von den Kleinsten bis zum Senior. Mit der richtigen Unterstützung und maßgeschneiderten Therapien kann es gelingen, die gesundheitliche Entwicklung positiv zu gestalten, Fähigkeiten zu erlangen und zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Genau dafür gibt es unser Gesundheitszentrum.

Das Gesundheitszentrum Franz Sales Haus unterstützt mit seinem multidisziplinären Team und verschiedenen Angeboten Menschen mit Behinderung aller Altersstufen. Bereits ab dem Säuglingsalter unterstützen die Interdisziplinären Frühförderstellen SchIFF 1 und SchIFF 2 Kinder mit verschiedensten Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen – in engem Austausch mit den Eltern und anderen Familienangehörigen. Die Nachfrage nach diesem wichtigen und in Essen einzigartigen Angebot ist ungebrochen und wächst stetig weiter, sodass beide IFF-Standorte bereits Wartelisten führen.

Auch die heilpädagogisch-psychiatrische Ambulanz „Leuchtturm“, unser therapeutischer Reitbetrieb „Hof Franz“, sowie die Mobilen Therapien mit den Schwerpunkten Psychologie und Ergotherapie arbeiten nach einer ganzheitlichen Herangehensweise, in die Fachkräfte verschiedener Disziplinen eingebunden sind. Konzipiert werden die Therapien konsequent nach den Kriterien von ICF und ICF CY (für Kinder und Jugendliche). Um die jeweiligen Teilhabe-Einschränkungen zu verstehen und ihnen effektiv entgegenzuwirken, ist die Betrachtung aus Sicht des Kindes oder des Erwachsenen sowie seiner An- und Zugehörigen von großer Bedeutung. Erst dieser Perspektivwechsel macht eine wirksame individuelle Hilfe möglich.

Eingebettet in das Franz Sales Haus als Unternehmen der Eingliederungshilfe, ist das Gesundheitszentrum eng vernetzt mit den verschiedenen Bereichen des Unternehmensverbunds. Von der guten Zusammenarbeit profitieren alle Seiten bei ihren vielfältigen Aufgabenstellungen – und auch bei der Vernetzung nach außen. Vielfach kann das Gesundheitszentrum seine Expertise zu konkreten Fragestellungen einbringen, beispielsweise auch bei der Ausgestaltung von Gesetzen auf Bundesebene. Schließlich gewinnt die Thematik „Gesundheit“ im Zusammenhang mit der UN-Behindertenrechtskonvention und dem BTHG zunehmend an Bedeutung. Unser Ziel ist es, die vielfältigen, oft gesellschaftlich geprägten Barrieren zu überwinden, sie zu „sprengen“.

Gesund im Mund

Beim Tag der Zahngesundheit am 25. September 2018 hatten Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und Betreuer die Gelegenheit, sich ganz praktisch zum Thema „Gesund im Mund – bei Handicap und Pflegebedarf“ zu informieren. Mehrere Essener Zahnärzte waren vor Ort und hatten auf der Terrasse vor dem Hotel Franz einen vielseitigen Parcours aufgebaut. Hier konnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene an zehn Stationen auf spielerische Art erfahren, wie sich Zähne und Zahnfleisch gesund halten lassen. Eine zahngesunde Ernährung, richtiges Putzen und viele weitere Aspekte wurden thematisiert. Außerdem konnten die Teilnehmer den Umgang mit einigen Geräten aus der Zahnarztpraxis selbst ausprobieren. Abgerundet wurde die Aktion, zu der auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen und Sozialdezernent Peter Renzel zum Hotel Franz kamen, mit informativen Vorträgen.

530

Menschen pro Woche nutzen die Therapie–Angebote des Gesundheitszentrums.

7 Therapiepferde stehen Kindern und Erwachsenen am „Hof Franz“ zur Verfügung.

Wir wollen die jeweils bestmögliche Teilhabe für den einzelnen Menschen erreichen – unabhängig von seinem Alter und der Art der Beeinträchtigung. Dabei zeigt sich, dass es oft erst Barrieren im Kopf abzubauen gilt, um einen entsprechenden Zugang zu finden. Das Team des Gesundheitszentrums setzt sich dabei unter anderem mit Themen wie Kindeswohlgefährdung, Hilfsmittelbedarfe, unerkannte Gesundheitsrisiken oder belastende Lebensumstände auseinander, um einen Weg zur Realisierung von Teilhabe zu finden.

In 2018 hat das Gesundheitszentrum alle Vorbereitungen für den Start des Medizinischen Behandlungszentrums für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) getroffen, das Anfang 2019 seine Arbeit aufgenommen hat. Es schließt eine bisher bestehende Versorgungslücke und knüpft nahtlos an die Arbeit der Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) für Kinder und Jugendliche an. Im Gegensatz zu anderen dieser Behandlungszentren in Deutschland ist unser MZEB als Teil des Gesundheitszentrums Franz Sales Haus an die Eingliederungshilfe angebunden. Davon profitieren die von niedergelassenen Ärzten zugewiesenen Patienten aus dem gesamten Ruhrgebiet. Zeitgleich zur Einrichtung des MZEB in einem bestehenden Gebäude wurde ein Neubau auf dem Gelände des Franz Sales Hauses geplant, der künftig das gesamte Gesundheitszentrum Franz Sales Haus beherbergen wird – als Anlaufstelle für die verschiedenen Angebote für Kinder und Erwachsene.

Die Pflege erhält in den letzten Jahren eine immer höhere Bedeutung in der Behindertenhilfe. Der individuelle Bedarf und die Qualität der Leistung stehen dabei an erster Stelle. Um die optimale pflegerische Versorgung insbesondere für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten, hat das Franz Sales Haus den Pflegedienst „Lebenswert“ gegründet. Das neue Angebot soll den Kunden des Dienstes zu mehr Lebensqualität verhelfen. Eine umfassende persönliche Beratung dient dazu, den jeweiligen Bedarf zu ermitteln, Wege der Finanzierung aufzuzeigen und die Kunden auf ihrem Weg zu unterstützen. Dabei legen wir Wert darauf, uns genügend Zeit dafür zu nehmen, die jeweils beste Lösung für jeden Kunden zu finden. Das Angebotsspektrum umfasst neben den pflegerischen Dienstleistungen auch die Unterstützung bei der Antragstellung, Beratung zu unterschiedlichen Hilfsmitteln, Hilfe bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sowie die Unterstützung von pflegenden Angehörigen.

Das „Ich-Buch“ bildet die persönliche Biografie des Menschen ab. | Symbole: METACOM © Annette Kitzinger

Im Rahmen des unternehmensweit implementierten Konzepts Palliative Care haben die Mitglieder der Fokusgruppe das sogenannte Ich-Buch entwickelt. Damit kann künftig jeder Mensch mit Behinderung aus dem Franz Sales Haus seine Biografie abbilden und seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken. Die eigene Herkunft, der Glaube, Ziele, Gewohnheiten und vieles mehr – bis hin zu den Vorstellungen für die eigene Trauerfeier – findet Eingang in das Buch, das auf diese Weise die Persönlichkeit des Einzelnen zum Ausdruck bringt. Die Möglichkeiten der unterstützten Kommunikation helfen den Menschen mit Behinderung dabei, ihre Angaben in das Ich-Buch zu bringen. Es begleitet sie über Jahre hinweg und trägt dazu bei, dass ihre Selbstbestimmung bis zum Lebensende so gut wie möglich erhalten bleibt. 

Palliative Care

Beim Thema Palliative Care geht es um die Selbstbestimmung und die Verbesserung der Lebensqualität in der letzten Lebensphase eines Menschen.

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