Franz Sales Haus · Jahresbericht 2018

Bildung

In unserem Schulzentrum lernen Menschen mit und ohne Behinderung und erleben dabei viele unterschiedliche Aktivitäten.

Lernziele erreichen

Neues zu lernen erweitert nicht nur das eigene Wissen, sondern vor allem den Horizont. Bildung eröffnet Chancen, macht Möglichkeiten sichtbar und bereitet echter Teilhabe den Weg. Im Franz Sales Haus lernen Kinder und Erwachsene mit und ohne Behinderung, damit sie ihr Leben und ihre berufliche Laufbahn gut gestalten und eigene Impulse setzen können.

Franz Sales Förderschule

Schülern mit ganz unterschiedlichen Einschränkungen bietet die Franz Sales Förderschule eine individuelle Förderung ihrer Fähigkeiten an. Die oft sehr heterogenen Lerngruppen bedeuten für die Lehrkräfte mitunter eine Herausforderung, für die Kinder haben sie viele Vorteile: Sie können sich an Stärkeren orientieren, erhalten gezielte Hilfestellung wo es nötig ist und können im Miteinander mit Gleichaltrigen ihre Persönlichkeit und ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln.

Nach dem Ausscheiden der langjährigen Schulleiterin Rita Vößing hat im Sommer 2018 ihr bisheriger Stellvertreter Michael Dönhoff die Nachfolge angetreten. Der neue Schulleiter bildet mit zwei stellvertretenden Lehrkräften ein Leitungs-Team, das auf Absprachen auf kurzem Weg und eine effektive Verteilung der vielfältigen Aufgaben setzt, die eine Schulleitung jeden Tag zu bewältigen hat.

Die Kompetenzen des einzelnen Schülers auf allen Ebenen stehen im Mittelpunkt des Förderplankonzepts, das die Schule 2018 überarbeitet hat. Sowohl die Fähigkeiten für Gebiete wie Motorik, Lernverhalten und Emotionalität als auch fachliche Kompetenzen in Schulfächern wie Mathematik und Deutsch werden erfasst und dokumentiert. Diese Dokumentation des Entwicklungsstands begleitet den Schüler und wird von Schuljahr zu Schuljahr weitergeführt. So gehen keine Informationen verloren, auch wenn es einmal einen Lehrerwechsel gibt. Aus den Kompetenzen entstehen dann die Ziele für den Förderplan des jeweiligen Schülers. Die Eltern können sich bei Förderplan-Sprechtagen über die Entwicklung und die Ziele für ihr Kind informieren.

Ein großes Plus für die Entfaltung der Kinder und Jugendlichen ist das vielseitige Angebot, gerade auch im kreativen Bereich. So stellten Schüler 2018 eine selbst inszenierte Aufführung des Musicals „Starlight Express“ auf die Beine, was viele verschiedene Fertigkeiten forderte – vom Herstellen der Kostüme und Requisiten über das Lernen von Texten und Tänzen bis zur regelmäßigen Probenarbeit. Die Aufführungen vor insgesamt rund 500 Zuschauern brachten den Akteuren viel Applaus.

Angespornt durch diesen Erfolg, findet auch 2019 ein Musicalkurs mit einer neuen Produktion statt. Auch mit anderen ­Kreativ-Angeboten fördert die Schule ganzheitlich die Fähigkeiten der Mädchen und ­Jungen: von der Musiktherapie mit Lehrern der Folkwang-Hochschule über Schulband und Chor bis zur Teilnahme am Projekt ­„Varieté inklusiv“.

Feierlich getauft

Im Juni 2018 kam die Kanu-AG der Förderschule zur feierlichen Taufe ihrer beiden Boote am Baldeneysee zusammen. Bei einer kleinen Andacht segnete Seelsorger Joachim Derichs die Kanus, für die sich die Schüler die Namen „Franz“ und „Sissi“ ausgedacht hatten. Seit mehreren Jahren bietet die Kanu-AG den Teilnehmern regelmäßig die Gelegenheit, am und auf dem See aktiv zu sein. Bei dem erlebnispädagogischen Angebot machen die Jugendlichen viele wertvolle Erfahrungen. Neben wichtigen Regeln für den sicheren Umgang mit dem Boot lernen sie, sich gegenseitig zu helfen und als Paddel-Team zusammenzuarbeiten. Dabei werden die Schüler unterstützt vom Schulsozialpädagogen Micha Lorenz und von Lehrer Christoph Dresler, die die AG leiten und dafür ­sorgen, dass jeder seine Talente einbringen kann.

Franz Sales Förderschule

  • 117  Schüler
  • 30 Lehrer
  • 2 Referendarinnen
  • 1 Schulsozialarbeiter
  • 11 Freiwilligendienstleistende zur Unterstützung in den Klassen

Sportliche AGs vom Fußballspielen bis zum Kanufahren und erlebnispädagogische Angebote wie Schwimmen und Klettern, die der Schulsozialarbeiter begleitet, schulen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, sondern fördern gezielt das Sozialverhalten der Teilnehmer. Die Entwicklung dieser Angebote trägt den Veränderungen in der Schülerschaft Rechnung: Immer mehr Schüler mit Traumata, psychischen Erkrankungen und massiven Verhaltensauffälligkeiten in Kombination mit einer geistigen Behinderung kommen zu uns und fordern eine intensive Betreuung und hoch differenzierte Angebote. Der akute Mangel an Sonderpädagogen, unter dem alle Förderschulen leiden, erschwert die Situation in den Klassen zusätzlich. Es ist kaum noch möglich, Sonderpädagogen – etwa als Schwangerschafts-/Elternzeitvertretung – einzustellen. Darunter leidet der Schüler-Lehrer-Schlüssel erheblich und das Arbeitspensum für die verbliebenen Lehrkräfte steigt stetig.

Vor diesem Hintergrund ist es eine große Herausforderung, die angestrebte hohe Qualität weiterhin zu sichern. Dafür sind alle Kräfte des recht jungen Kollegiums gefragt, das aktuell zwei sehr engagierte Referendarinnen ergänzen. Auf die veränderte Schülerstruktur konnte unsere Schule mit internen Maßnahmen reagieren. Präventive Angebote des Schulsozialpädagogen, ein intensiver Austausch im Kollegium, mit Eltern und Betreuern und der neu eingerichtete „Auszeitraum“ haben sich als hilfreich erwiesen. Hier kann der Sozialpädagoge bei akuten Problemen die Schüler auffangen, die eine Auszeit vom Unterricht brauchen, um danach wieder in den Schultag einsteigen zu können.

Die Arbeit mit Eltern und ihre Mitwirkung im Schulalltag nehmen einen immer größeren Stellenwert an der Förderschule ein, denn inzwischen wohnen 85 Prozent der Schüler bei den Eltern zu Hause – Tendenz weiter steigend. Diesen Trend zu mehr externen Schülern verzeichnen wir seit mehreren Jahren. Viele Eltern haben die Erfahrung machen müssen, dass eine inklusive Beschulung an Regelschulen den individuellen Bedürfnissen ihres Kindes nicht im Ansatz gerecht werden kann. Andere sind mit den Bedingungen an öffentlichen Schulen unzufrieden und erhoffen sich von einer Privatschule eine höhere Qualität. Dementsprechend ist die Nachfrage über das gesamte Schuljahr hinweg riesig und die Schule muss oft Ablehnungen aussprechen, da keine weiteren Kapazitäten vorhanden sind. Im Sinne aller Beteiligten und vor allem der Schüler ist zu hoffen, dass die Politik auf den weithin bekannten Mangel an Sonderpädagogen reagiert, damit sich in absehbarer Zeit die Situation für alle Förderschulen verbessern kann.

Michael Dönhoff (re.) und seine Stellvertreter Daniela Bornat und Thorsten Hobrecht leiten die Schule als gut eingespieltes Team.
Berufskolleg

Das Franz Sales Berufskolleg führt die angehenden Fachkräfte der Behindertenhilfe konsequent und praktisch an die Aufgaben ihres künftigen Berufsalltags als Heilerziehungspfleger oder Sozialassistenten, Schwerpunkt Heilerziehung, heran. Sie lernen nicht nur in Unterrichtseinheiten, sondern auch im Rahmen vielseitiger Projekte im unmittelbaren Kontakt mit Kindern und Erwachsenen mit Behinderung. Dank des engen Kontakts mit der benachbarten Förderschule und den verschiedenen Wohn-Angeboten des Franz Sales Hauses wird hier ein aktives Miteinander gelebt, von dem alle Beteiligten profitieren. Dabei haben die Lernenden des Berufskollegs die Chance, durch vielseitige eigene Erfahrungen schon früh ein eigenes berufliches Profil auszubilden, was die Lehrkräfte kontinuierlich unterstützen und fördern.

Für eine gute Orientierung im heilerziehungspflegerischen Berufsfeld haben sich die Hospitationstage der künftigen Sozialassistenten bewährt. Dabei lernen die Auszubildenden verschiedene Bereiche des Franz Sales Hauses und damit schon ganz unterschiedliche Einsatzbereiche kennen. Die Heilerziehungspfleger stellen sich in Kleingruppen gegenseitig die Einrichtungen vor, in denen sie tätig sind, damit jeder möglichst vielfältige Einblicke in den Arbeitsalltag erhält. Kreative Ideen sind gefragt, wenn die Projektwoche in Kooperation mit der Franz ­Sales Förderschule auf dem Programm steht. Die Schulkinder profitieren ebenso von der übergreifenden Arbeit mit dem Berufskolleg wie die Klienten verschiedener Einrichtungen und Wohnformen: Für sie konzipieren die Oberkurse der Heilerziehungspfleger im Rahmen ihrer Bildungsprojekte attraktive Workshops. Die Palette reicht dabei von der Pilgerwanderung bis zum Kurs über den ­Umgang mit facebook und Co. Durch diese inklusiven Projekte und das eigene Erleben vermittelt das Berufskolleg den Lernenden neben dem Fachwissen auch eine Haltung, die – ganz im Sinne des BTHG – die Bedürfnisse und Talente des Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt stellt.

Der personenzentrierte Ansatz in der Behindertenhilfe fordert von den Fachkräften, sehr individuell auf jeden Menschen mit Behinderung einzugehen. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich auch die Inhalte der einzelnen Bildungsgänge an unserem Berufskolleg weiter. So sind etwa die aktuellen kompetenzorientierten Bildungspläne für angehende Sozialassistenten, Schwerpunkt Heilerziehung, sehr stark an den konkreten Herausforderungen des beruflichen Alltags orientiert. In allen Bildungsgängen können die Auszubildenden anhand von beispielhaften Lernsituationen das angemessene und fachkompetente Handeln einüben. In den Übungssituationen nehmen sie unterschiedliche Rollen in den Handlungsfeldern ihres künftigen Berufes ein und machen so Lernerfahrungen aus verschiedenen Perspektiven.

Das Lehrteam, das seit dem Sommer 2018 von drei neuen Kolleginnen unterstützt wird, setzt auf regelmäßige Weiterbildungen, um die Qualität der verschiedenen Bildungsangebote jederzeit zu sichern. Die Lehrer ermutigen die angehenden Fachkräfte zum selbstständigen Lernen und unterstützen sie individuell in ihrer Ausbildung. Im Dialog mit den Lehrkräften erhalten die Lernenden konstruktive Rückmeldungen: Reflexionsgespräche und Beratungsstunden dienen dazu, den Lernprozess gezielt voranzubringen. Ihre selbst entwickelten Förderangebote für Menschen mit Behinderung planen die Auszubildenden auf der Grundlage der ICF und gezielter Bedarfsermittlungsinstrumente – und reflektieren im Anschluss ihre Arbeit sowohl mit der Lehrkraft aus dem Berufskolleg, als auch mit den Mitarbeitern des Franz Sales Hauses, die das Projekt begleitet haben.

Die persönliche Förderung der Auszubildenden durch ein Netzwerk von Lehr- und Fachkräften führt zu einem hohen Maß an Professionalität bei den Absolventen des Franz Sales Berufskollegs. Gleichzeitig sorgt die technische Ausstattung mit WLAN, interaktiven Tafeln und Dokumentenkameras für den Zugriff auf die digitale Wissenswelt und erleichtert die Bereitstellung von Lern­ergebnissen. Auf dieser Basis starten auch die 87 Absolventen der verschiedenen Bildungsgänge im Jahr 2018 nicht nur mit viel Fachwissen, sondern auch mit einem wertvollen Erfahrungsschatz in ihr Berufsleben. Zudem plant das Berufskolleg die Einrichtung eines Bildungsgangs für Menschen mit Behinderung, der das Angebot ergänzen soll.

Pilgern auf dem ­Jakobs­weg in Essen: Im Rahmen eines Bildungsprojekts der angehenden Heilerziehungspfleger machte sich eine Gruppe von Klienten auf den Weg.

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Lehrkräfte bilden 167 angehende Heilerziehungspfleger und 106 künftige Sozialassistenten, Schwerpunkt Heilerziehung, aus. 60 Lernende erwerben zugleich auch die Qualifizierung als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (FAB).

Fortbildung

Als Weiterbildungsstätte für Fach- und Führungskräfte der Behindertenhilfe ist die Franz Sales Akademie intern und extern hochgeschätzt. Das vielfältige Seminarangebot des Fortbildungsbereichs nutzen Teilnehmer aus dem Franz Sales Haus sowie aus anderen Einrichtungen und Institutionen, um bei aktuellen Themen auf dem Laufenden zu sein und neben interessanten Informationen vor allem auch wertvolle Praxis-Erfahrungen in ihren beruflichen Alltag mitnehmen zu können. Die hohe Zufriedenheit der Teilnehmer, die in Befragungen am Ende jeder Fortbildung zu mehr als 85 Prozent gute und sehr gute Bewertungen abgaben, bringt die hohe Qualität und den großen Nutzen der angebotenen Seminare zum Ausdruck.

In 2018 wurden die im Bistum Essen obligatorischen Mitarbeiter-Schulungen zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt nahezu abgeschlossen. Das gemeinsame Fazit mit unserem Kooperationspartner, dem Institut für Sexualpädagogik Dortmund (isp), fiel ausgesprochen positiv aus: Die Schulungen haben die Mitarbeiter der verschiedenen Bereiche im Franz Sales Haus für das Thema sensibilisiert. Das isp würdigte die konsequente Herangehensweise und die hohe Transparenz im Umgang mit den Fragestellungen rund um die Präventionsarbeit. Die Teilnehmer haben größere Handlungssicherheit erhalten – ein Aspekt, der den zentralen Wert vieler Fortbildungen ausmacht. Auch für Menschen mit Behinderung gibt es entsprechende Präventionsschulungen. So nimmt das Franz Sales Haus am bundesweiten Modellprojekt „BeSt – Beraten & Stärken“ zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt teil und hat in diesem Rahmen mehrere Schulungen für Mitarbeiter sowie Präventionstrainings für Mädchen und Jungen an der Akademie durchgeführt.

Bei vielen Fortbildungen können die Teilnehmer bei Team-Arbeitsphasen ihre Erfahrungen einbringen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Seminare liegt auf Themen, die den Menschen mit Behinderung in seiner Selbstwahrnehmung und seiner Selbstbestimmung stärken – ganz im Sinne des BTHG. Die Fachkräfte lernen, wie sie die Bedürfnisse des Einzelnen differenziert und sicher ermitteln, das Vertrauen in seine Fähigkeiten stärken, Wahlmöglichkeiten anbieten und die eigenverantwortliche Lebensgestaltung unterstützen können. Vor dem Hintergrund des neuen gesetzlichen Umfelds geht es dabei auch darum, gezielte Handlungsstrategien zu erarbeiten. Sie sollen sicherstellen, dass jeder die pädagogisch notwendige und qualifizierte Begleitung erhält, die seinem Bedarf und seinen Wünschen entspricht.

Nach wie vor sind konkrete Bildungsangebote zu den Themenfeldern Demenz sowie psychiatrische Krankheitsbilder – bei Menschen mit und ohne geistige Behinderung – sehr gefragt. Auch im Bereich der digitalen Teilhabe für Menschen mit Behinderung gibt es Bedarf, damit alle Beteiligten sich sicher im Internet und sozialen Netzwerken bewegen. Deshalb widmet sich die Akademie in der Gestaltung ihres Angebots für 2019 und darüber hinaus verschiedenen Fragestellungen aus diesen Bereichen.

85,2 %

der Teilnehmer bewerten die Fortbildungen in der Franz Sales Akademie mit „gut“ und „sehr gut“. Ingesamt waren 133 Fortbildungen mit 1.734 Teilnehmern im Angebot.

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