Franz Sales Haus · Jahresbericht 2018

Arbeit

Eine breite Palette an Qualifizierungen und Angeboten vermittelt viele Fähigkeiten und eröffnet individuelle Wege ins Arbeitsleben.

Talente entdecken

Die richtige Tätigkeit und einen passenden Platz im Arbeitsleben zu finden, ist ein zentraler Baustein für ein zufriedenes Leben. Talente und Interessen jedes Menschen geben die Richtung vor. Sie zu entdecken und zu fördern ist die Aufgabe der Mitarbeiter im Franz Sales Haus, die Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützen.

Arbeitsmarktintegration

Wegbereiter sein

Der Weg in den Beruf und hin zu einer Arbeitsstelle verläuft nicht immer geradlinig. Unterschiedlichste Einschränkungen, Erkrankungen oder Ereignisse können dem Leben mitunter eine unerwartete Wendung geben und den (Wieder-)Einstieg in die Arbeitswelt behindern. Um dennoch den Zugang zum Arbeitsmarkt möglich zu machen, hält der Bereich Arbeitsmarktintegration vielfältige Angebote bereit, die sich an verschiedene Zielgruppen richten. Ein interdisziplinäres Team unterstützt die Teilnehmer gezielt dabei, ihre Fähigkeiten und Interessen zu entdecken und zu entwickeln. Für die Agentur für Arbeit Essen sind unsere Experten längst zu wichtigen Partnern im Bereich der beruflichen Rehabilitation geworden und werden dort für ihre erfolgreiche Arbeit und ihr Engagement sehr geschätzt. 

Für den gelingenden Übergang zwischen Schule und Beruf führt unser Team pro Jahr mehr als 250 Potenzialanalysen bei Schülern mit verschiedenen Einschränkungen und auch für Jugendliche mit schweren Mehrfachbehinderungen durch. Das Einzugsgebiet reicht dabei bis zum Niederrhein, wo die Teilnehmer vor Ort unterstützt werden. Auch bei der Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit geht es darum, die Leistungsfähigkeit jedes Teilnehmers treffend einzuschätzen, damit er anschließend erfolgreich den für ihn richtigen nächsten Schritt ins Arbeitsleben machen kann. Dabei zeigt sich, ob etwa eine durch Betreuung unterstützte Arbeit oder eine Zeit in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung der richtige Weg ist. 

Im Rahmen der Behindertenspezifischen Berufsvorbereitenden Maßnahme (BvB-Reha) werden Jugendliche ohne Ausbildungs- und Arbeitsplatz elf Monate lang individuell gefördert, um sich auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Zum ganzheitlichen Programm gehören neben verschiedenen praktischen Modulen immer wieder auch Projekte, die gesellschaftliche und soziale Kompetenzen der Jugendlichen fördern. So gestalten die BvB-Teilnehmer mit ihren Ideen traditionell eine Veranstaltung zum Josefstag im Franz Sales Haus. Zur Vorbereitung auf den kommenden Josefstag mit dem Motto „Hände reichen – Brücken bauen! Jugend braucht Perspektive in Europa“ reisten einige Jugendliche im Dezember 2018 zusammen mit Mitarbeitern des Franz Sales Hauses nach Brüssel, wo sie interessante Einblicke in die Arbeit des EU-Parlaments erhielten.

Effektiv vermittelt

Mit einem sehr erfreulichen Ergebnis endete im Oktober 2018 das dreijährige Projekt „Essen.Inklusive.Arbeit“, das der Bereich Arbeitsmarktintegration des Franz Sales Hauses in Kooperation mit dem JobCenter Essen und der Agentur für Arbeit Essen umgesetzt hat: Von insgesamt 111 Teilnehmern wurden 66 in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt. Ganz gezielt haben die Akteure damit die Chancen von arbeitslosen Menschen mit einer Schwerbehinderung auf dem Arbeitsmarkt verbessert. 

Herzstück des Projekts war das individuelle Coaching durch die Fachkräfte des Franz Sales Hauses. Sie haben sich mit den persönlichen Möglichkeiten und Einschränkungen jedes Einzelnen auseinandergesetzt und gemeinsam mit den Teilnehmern an beruflichen Perspektiven gearbeitet. Sie erhielten in diesen Gesprächen wichtige Impulse, um sich neu orientieren und entsprechende Arbeitsmöglichkeiten entdecken zu können. Gleichzeitig informierten die Experten aus dem Franz Sales Haus zahlreiche Unternehmen über die Beschäftigungsmöglichkeiten von Arbeitnehmern mit Schwerbehinderung, um Barrieren abzubauen und den Weg in den Arbeitsmarkt für Menschen mit Einschränkungen zu ebnen.

Das Angebot

  • Behindertenspezifische Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB-Reha)
  • Joborientierung für Benachteiligte
  • Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit
  • Unterstützte Beschäftigung (Individuelle betriebliche Qualifizierung)
  • Potenzialanalysen für das Übergangsangebot „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA)
  • Potenzialanalysen „komplex“ für schwerst mehrfachbehinderte Schüler

Andere junge BvB-Teilnehmer und auch Mitarbeiter der Arbeitsmarktintegration hatten Gelegenheit, am Projekt „Migrationssensible und rassismuskritische Kompetenz in der Jugendsozialarbeit“ der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit NRW e. V. (LAG KJS) teilzunehmen. Erfolgreich hatte sich das Franz Sales Haus als Partner für das Modellprojekt beworben, das sich um pädagogische Handlungsstrategien gegen Rassismus und Diskriminierung von Menschen mit Migrationsgeschichte dreht. Die Jugendlichen nahmen an drei Workshops zum Thema teil und entwickelten daraus ein Video mit dem Titel „100 % Mensch“. Die Mitarbeiter nahmen an Seminaren und Coachings teil, die ihre Sensibilität im Hinblick auf rassistische und diskriminierende Verhaltensweisen und Äußerungen weiter geschult haben. Darüber hinaus fließen auch Interviews mit den Teilnehmern in die Projektergebnisse ein, die im Jahr 2019 präsentiert werden.

Um im Bereich der beruflichen Bildung zukünftig als sogenannter „anderer Leistungsanbieter“ nach § 60 SGB IX aktiv zu werden, hat das Franz Sales Haus ein entsprechendes Konzept bei den zuständigen Behörden eingereicht. Das Angebot soll sich an Menschen mit geistiger, psychischer oder Lernbehinderung oder autistischer Störung richten und ihnen eine Qualifizierung in verschiedenen Arbeitsfeldern bieten. Damit wird eine Alternative zu Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen, die unmittelbar auf den Arbeitsmarkt hin ausgerichtet ist. Der Start ist für 2019 geplant.

Eine intensive und höchst individuelle Begleitung durch erfahrene Qualifizierungstrainer bietet die Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung (UB)“ Jugendlichen und Erwachsenen, die im Grenzbereich zwischen Lern- und geistiger Behinderung stehen, psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten haben. Das Ziel ist ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf einem Arbeitsplatz, an dem die Teilnehmer sorgfältig eingearbeitet werden. Ende 2018 konnte erstmals eine Teilnehmerin über den Weg des persönlichen Budgets die UB-Maßnahme nutzen. Die Abstimmung mit der Agentur für Arbeit lief reibungslos und innerhalb kurzer Zeit konnte die Förderung in die Wege geleitet werden.

Das Team

  • Sozialpädagogische Fachkräfte
  • Bildungsbegleiter
  • Lehrkräfte
  • Ausbilder
  • Psychologen
  • Qualifizierungstrainer
  • Coaches

Auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zielte auch das Projekt „Essen.Inklusive.Arbeit“ zur Unterstützung von Arbeitslosen mit einer Schwerbehinderung ab, an dem die Arbeitsmarktintegration beteiligt war und das im Oktober 2018 seinen Abschluss fand. Unser Team konnte ein sehr gutes Fazit ziehen, denn alle gesteckten Ziele wurden weit übertroffen. Die Coaches aus dem Franz Sales Haus konnten mehr Teilnehmer als ursprünglich geplant unterstützen und vermitteln – und das auch noch schneller als angestrebt. Knapp 60 Prozent der zuvor arbeitslosen Menschen haben – oft nach langer, erfolgloser Suche – eine Beschäftigung beispielsweise im Dienstleistungsbereich oder im Handwerk gefunden. Die angebotenen Fortbildungen und Info-Veranstaltungen für Unternehmen stießen auf reges Interesse und die Medienkampagne zum Projekt sorgte für öffentliche Aufmerksamkeit. Die gute Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus dem JobCenter und der Agentur für Arbeit Essen wird weiterhin gepflegt.

Kontinuierlich engagiert sich die Arbeitsmarktintegration für innovative Konzepte, oft in enger Zusammenarbeit mit anderen relevanten Akteuren. So auch beim Projekt „Essen.Pro.Teilhabe“, das im Rahmen des Bundesprogramms „rehapro – Innovative Wege zur Teilhabe“ zur Förderung eingereicht und bewilligt wurde. Es soll die Teilhabeperspektiven von Kunden des JobCenters Essen mit komplexen gesundheitlichen Unterstützungsbedarfen und multiplen Vermittlungshemmnissen verbessern. Gerade bei Leistungen für diese stark benachteiligten Menschen kann die Integration in Arbeit nur mit einem hoch individuellen Maßnahmenpaket gelingen. Partner im Projekt sind neben dem JobCenter Essen (Koordination) die Arbeitsmarktintegration des Franz Sales Hauses in Kooperation mit dem DJK Franz Sales Haus e. V. (ganzheitliche Betreuung), das Unternehmen Softdoor (medizinisch-berufliche Eingangsdiagnostik), der Jugendhilfe-Träger CJD Zehnthof Essen (individuelle Berufsfelderkundungen) und die Universität Duisburg-Essen (wissenschaftliche Begleitung).

66

von insgesamt 111 Teilnehmern konnten im Projekt „Essen.Inklusive.Arbeit“ in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt werden.

Franz Sales Werkstätten

Fähigkeiten entwickeln

Mehr als 770 Menschen mit Behinderung sind an den sieben Standorten der Franz Sales Werkstätten beschäftigt. Neben dem Wohnumfeld ist der Arbeitsplatz der zweite wichtige Lebensraum, an dem jeder Beschäftigte einen Großteil seiner Zeit verbringt. Deshalb steht auch hier die personenzentrierte Ausrichtung unserer Arbeit im Fokus: die individuelle Beratung und Förderung des Einzelnen, die seine Talente stärkt und seine Wünsche ernst nimmt. In diesem Sinne entwickeln sich die Werkstätten weiter und sind dabei in 2018 gut vorangekommen. 

Alle Aktivitäten zielen auf die Qualifizierung für und die Integration in den ersten Arbeitsmarkt ab. Dafür sollen neue Strukturen die Werkstätten zukunftsfähig aufstellen und sowohl eine optimale Förderung der Beschäftigten als auch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe sichern. Der größte Werkstatt-Standort in Essen-Horst ist nun in drei Teilbetrieben mit verschiedenen Arbeitsschwerpunkten organisiert: Die Teilbetriebe Empowerment (früher Förderbereich) und Netzwerker (früher Sondermontage) unterstützen Menschen mit hohem Betreuungs- und Hilfebedarf intensiv, sodass sie in den gleichen Arbeitsbereichen tätig werden können wie die Beschäftigten des Teilbetriebs Shop Floor (Produktion). Hand in Hand arbeiten die Teilbetriebe daran, dass jeder Beschäftigte nach seinen Fähigkeiten und Interessen eingesetzt werden kann.

Die Gärtnerei in Horst und das Eiberger Café sind nun organisatorisch dem Klosterberghof zugeordnet, um die Kompetenzen im Bereich Bio-Lebensmittel und Gastronomie in einer Hand zu vereinen. Auch an anderen Standorten planen die Werkstätten spezialisierte Kompetenzzentren, um Kräfte und Kapazitäten zu bündeln. So soll beispielsweise ein Kompetenzzentrum Holz entstehen, das Synergien schafft. Über alle Betriebe und Arbeitsfelder hinweg soll die Akquise in Zukunft zu mehr höherwertigen und damit für die Beschäftigten besonders attraktiven Auftragsarbeiten führen. Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung liegt in den kommenden Jahren darin, moderne Technik und digitale Lösungen in den Werkstätten zu etablieren, um durch entsprechende Assistenzsysteme die Teilhabe der Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben und daneben auch die Arbeitsergebnisse weiter zu verbessern. 

Der Klosterberghof bietet als Werkstatt-Betrieb ­attraktive Arbeitsplätze in der Bio-Landwirtschaft.

Mehr als

1 Mio.

Klausurbögen lieferte die Druckerei für die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW an verschiedene Standorte.

Neues Profil in der Berufsbildung

Insbesondere der Berufsbildungsbereich (BBB) hat in 2018 viele Veränderungen angestoßen. Durch die Schaffung neuer Lernorte und Lerninhalte stehen jetzt gut ausgestattete Standorte für die berufliche Bildung bereit. Unterschiedliche Materialien – von Technik-Baukästen bis zu interaktiven Bildschirmen – sorgen für ein breites Spektrum an Lernmöglichkeiten. Der Lernprozess wurde neu und einheitlich strukturiert, sodass nun differenzierte Module für unterschiedliche Lernniveaus zur Verfügung stehen, deren Inhalte sich auf die Qualifizierungsbausteine der Rahmenbildungspläne stützen. Verschiedene Messkriterien und Überprüfungen des Bildungsergebnisses in Theorie und Praxis sichern den Lernerfolg. Da wir überzeugt sind, alle BBB-Teilnehmer erfolgreich qualifizieren zu können, bietet die Werkstatt berufliche Bildung auch für schwer und mehrfach eingeschränkte Menschen mit eigens für diese Zielgruppe entwickelten Modulen an. 

Der neu aufgestellte BBB fordert die Mitarbeiter stark, die sich mit großem Einsatz einbringen und ihr Know-how intern weitergeben. Dieser Entwicklungsprozess hat auch zu einer neuen Dynamik, erfreulichen Erfolgserlebnissen und einem veränderten Selbstverständnis des Bereichs geführt. Die gesamte Berufsbildung hat eine spürbare Aufwertung erfahren, die auch in anderen Bereichen des Franz Sales Hauses sichtbar wird, wenn BBB-Teilnehmer beispielsweise Praktika in der Franz Sales Akademie oder im Hofladen absolvieren.

Berufsbildung ist die Grundlage für die erfolgreiche Vermittlung aus der Werkstatt auf Arbeitsplätze in Unternehmen. Diese Durchlässigkeit der Werkstatt schafft neue Spielräume für die individuelle Entwicklung. Dazu trägt auch das neue Modell der Bildungspartnerschaften mit Unternehmen bei: Durch diese Kooperationen können die BBB-Teilnehmer neue Arbeitsmöglichkeiten kennenlernen; gleichzeitig haben die beteiligten Firmen Gelegenheit, Personal für bestimmte Tätigkeiten zu gewinnen (siehe unten). Durch diese Art der Zusammenarbeit können die Werkstätten Qualität und Vielfalt ihrer Bildungsangebote steigern und so dem individuellen Wunsch- und Wahlrecht der Beschäftigten in besonderer Weise gerecht werden.

Die neue Abteilung Integration & Bildung ist Ausdruck der Verknüpfung von beruflicher Bildung und einem erfolgreichen Start ins Berufsleben. Die Fachkräfte sorgen effektiv dafür, dass Menschen mit Behinderung auf betriebsintegrierte Berufsbildungs- oder Arbeitsplätze bzw. auf einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz vermittelt werden. In 2018 ist das Netzwerk an Partnern, die Praktikums- bzw. Arbeitsplätze bereitstellen, um zahlreiche neue Kontakte gewachsen.

In den Werkstätten gibt es viele handwerkliche Tätigkeiten und ­Gewerke zur Auswahl. – Um eine Bildungspartnerschaft anzubahnen, besuchten Werkstatt-Beschäftigte eine LKW-Werkstatt von MAN in Bochum.

Arbeitsbereiche

  • Bäckerei
  • Bioland-Bauernhof
  • Digitalisierung
  • Druckerei
  • Elektromontage
  • Floristik
  • Gärtnerei
  • Garten- und Landschaftspflege
  • Gastronomie
  • Hofladen
  • Industriemontage
  • Kiosk
  • Lager
  • Lohnarbeit
  • Metallbearbeitung
  • Kunsthandwerk
  • Schneiderei
  • Schreinerei
  • Verpackungsservice
  • Versandservice
  • Wäscherei
Mitwirkung stärkt Eigenverantwortung

Zur personenzentrierten Arbeit der Werkstätten gehört insbesondere die Beteiligung des Menschen mit Behinderung auf verschiedenen Ebenen. So setzt die individuelle Teilhabeplanung nach den Kriterien der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) klar auf einen partizipativen Prozess: Im Dialog mit dem einzelnen Beschäftigten entwickelt ein Reha-Team aus Gruppenleitern, Sozialem Dienst und Integrationsmanagern die jeweiligen Förder- bzw. Teilhabeziele. Damit ist der Mensch mit Behinderung der Impulsgeber für seine eigene Entwicklung. Die Fachkräfte in der Werkstatt sorgen mit einer guten Vorbereitung dafür, dass sich der Beschäftigte in dieser Rolle sicher behaupten und seinen Bedarf äußern kann. Um diese Aufgabe ausfüllen zu können, haben sechs Mitarbeiter an Schulungen zur ICF-Teilhabeplanung teilgenommen, die ihr Wissen nun weitergeben. Die neue, kooperative Teilhabeplanung hat sich bereits bewährt. Sie findet für jeden Beschäftigten künftig alle 12 Monate statt.

Mitunter ergeben sich aus den Teilhabe-­Gesprächen und auch aus manchen ­Erfahrungen im Werkstatt-Alltag konkrete Anregungen für das vielfältige Angebot der arbeitsbegleitenden Maßnahmen. Neben kreativen, sportlichen und entspannenden Kursen gibt es immer mehr qualifizierende Angebote – was auch zunehmend von den Beschäftigten selbst eingefordert wird. Von der Bedienung eines Hubwagens über Schreib- oder Rechenübungen bis zur Ersten Hilfe oder wissenswerten Infos zum BTHG gibt es viele lehrreiche Inhalte. Zudem können sich die Beschäftigten zum Prüfer für Leichte Sprache, Verkehrshelfer, Streitschlichter, Brandschutzhelfer oder Sicherheitsbeauftragten schulen lassen und durch diese Qualifikationen innerhalb der Werkstatt Verantwortung übernehmen. Einige Menschen mit Behinderung leiten auch selbst Begleitende Maßnahmen an – allein oder gemeinsam mit Werkstatt-­Mitarbeitern.

1.000

Spezial-Paletten fertigte die Schreinerei für die Krefelder Firma Solenis im Rahmen eines neuen Auftrags.

In regelmäßigen Gruppengesprächen kann sich jeder Beschäftigte zu Aktivitäten seines Betriebs einbringen. Eine Jobbörse mit Ausschreibungen in Leichter Sprache motiviert dazu, sich eigenständig für Praktika oder externe Arbeitsplätze zu melden. Wer sich im Werkstattrat engagiert, arbeitet an vielen Themen aktiv mit, pflegt den Dialog mit Werkstattleitung und Angehörigen, nimmt an externen Veranstaltungen teil und kann bei Bedarf auch hierbei auf die Unterstützung des Sozialen Dienstes zurückgreifen.

Mit ihrem Angebot an Dienstleistungen und Produkten erreichen die Werkstätten eine gute Auslastung mit Aufträgen langjähriger und auch neuer Kunden. Die Vielfalt der Arbeitsfelder ist für die hier tätigen Menschen mit Behinderung ein wichtiges Plus, denn sie eröffnet unterschiedliche Wahlmöglichkeiten. Über alle Betriebe hinweg kann die Werkstatt variabel und flexibel auf Veränderungen reagieren – beispielsweise, wenn Beschäftigte intern wechseln möchten oder einen Arbeitsplatz in einem Unternehmen annehmen. Ende 2018 waren knapp 90 Beschäftigte auf einem solchen betriebsintegrierten Arbeitsplatz tätig, kontinuierlich unterstützt von den Integrationsassistenten der Werkstatt. Sie begleiten auch die Menschen, die aus der Werkstatt den Schritt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis machen. Möglichst viele Menschen für diese Perspektive zu qualifizieren, bleibt weiterhin das Ziel der Werkstätten in den kommenden Jahren.

Gemeinsam gefördert

Eine Bildungspartnerschaft mit der Deutschen Post ­haben die Franz Sales Werkstätten im August 2018 gestartet. Im Rahmen von Praxistagen am Werkstatt-­Standort „Alte Post“ in Kupferdreh haben Unternehmens-Vertreter den BBB-Teilnehmern verschiedene Arbeitsaufgaben nähergebracht, die in einer Post-Filiale anfallen – vom Briefmarkenverkauf bis zum Entgegennehmen von Paketen und Retouren. Der direkte Kontakt mit den Post-Mitarbeitern sorgte für einen leichten, ­barrierefreien Zugang zur Arbeitswelt. So konnten sich die BBB-Teilnehmer die Arbeit bei der Post gut vorstellen und ihre Fragen unmittelbar stellen. Die Betriebe Ruhrau und Kupferdreh betreiben seit 2018 DHL-Paketshops, die sich aus der neuen Bildungspartnerschaft ergeben haben. Hier können BBB-Teilnehmer und auch interessierte Beschäftigte aus dem ­Arbeitsbereich der Werkstatt ihre Fähigkeiten in der ­Praxis erproben. Zudem bietet ein Betreiber mehrerer Postfilialen in Essen Praktika vor Ort an – mit der Aussicht auf einen von der Werkstatt unterstützten Außenarbeitsplatz oder sogar einen sozialversicherungspflichtigen Job bei der Post.

Auf 0,5 Hektar Land vermieteten die „Ackerhelden“ am Klosterberghof zahlreiche Bio-Mietgärten und brachten so viele neue Naturfreunde auf den Hof.

Inklusionsunternehmen

Erfolgsrezept Inklusion

Als Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes stehen die beiden Inklusionsunternehmen des Franz Sales Hauses im regulären Wettbewerb und übernehmen dabei ein besonders hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung.

in time gGmbH

Die Leistungen des Unternehmens, das Dienstleistungen im Garten- und Landschaftsbau sowie in der Gebäudereinigung anbietet, sind stark gefragt. Die Nachfrage wächst, sowohl durch Aufträge neuer Kunden als auch von Seiten bestehender Geschäftspartner, die das Auftragsvolumen teilweise stark gesteigert haben. Daher leistet die in time immer mehr Reinigungs-, Gartenbau- und auch Winterdienste für einen breiten Kundenstamm. Vor diesem Hintergrund hat die in time beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) eine Erweiterung beantragt, die in 2018 bewilligt wurde. Dadurch kann das Unternehmen nun vier weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stellen. Alle Mitarbeiter mit Handicap werden sorgfältig eingearbeitet und mit Blick auf ihre jeweiligen Einschränkungen so eingesetzt, dass sie ihre Aufgaben gut bewältigen können.

Neben zahlreichen Aufträgen für externe Firmen- und Privatkunden übernimmt die in time auch immer mehr Aufgaben innerhalb des Unternehmensverbunds Franz Sales Haus. So setzen beispielsweise einige Wohngruppen Hauswirtschaftskräfte des Unternehmens ein; zudem hat ein interner Fahrdienst die Arbeit aufgenommen, der Reinigungstextilien zwischen der Wäscherei und verschiedenen Wohngebäuden transportiert. So lässt sich die Effizienz steigern und es gibt eine weitere Aufgabe für die Mitarbeiter. Die Reinigungsdienstleistungen für das Franz Sales Haus werden in den kommenden Jahren schrittweise weiter ausgebaut. Möglicherweise ist dann noch einmal eine Erweiterung des Betriebs notwendig, sodass noch mehr zusätzliche Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen.

Durch das BTHG gehören inzwischen auch Langzeitarbeitslose mit einer Schwerbehinderung zur Zielgruppe der ­Inklusionsunternehmen. Auch ihnen kann die in time die Möglichkeit der Integration in den Arbeitsmarkt bieten und dazu die Förderung nach dem neuen Teilhabe­chancengesetz (§ 16i SGB II) nutzen. Durch diese aktuellen Regelungen hat diese Gruppe, die bisher durch Behinderung und längere Arbeitslosigkeit doppelt benachteiligt war, neue Chancen, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen.

Die in time übernimmt Gebäudereinigung und Gartenpflege für öffentliche und private Kunden.

900

Inklusionsunternehmen, in denen knapp 28.000 Menschen arbeiten, gibt es bundesweit. Bei gewerblichen Inklusionsbetrieben haben mindestens 30 Prozent der Mitarbeiter eine Schwerbehinderung, bei gemeinnützigen Betrieben 40 Prozent.

in service GmbH

Gastronomie und Hotellerie sind das Kerngeschäft des Inklusionsunternehmens, das das Vier-Sterne-Hotel Franz und die Großküche für die Versorgung der Wohneinrichtungen und Werkstätten, der Schulkantine sowie des Betriebsrestaurants und des Veranstaltungszentrums betreibt. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter hat eine Behinderung, sodass das Unternehmen die von Landschaftsverband und Finanzamt geforderten Beschäftigungsquoten mehr als erfüllt. Auch die in service hat beim LVR einen Erweiterungsantrag für 2019 gestellt, damit künftig vier weitere Mitarbeiter mit Behinderung zum Team gehören können.

Im alltäglichen Miteinander der inklusiven Belegschaft wird jeder Einzelne nach seinen Möglichkeiten gefördert. Dabei spielen Gespräche und ein lebendiger Austausch im Team eine wichtige Rolle, um für jede -Situation die passende Lösung zu finden. Mitarbeiter mit und ohne Behinderung nehmen an Schulungen teil, die auf sie und ihre Aufgaben zugeschnitten sind. Jedes Jahr nutzen zahlreiche Praktikanten die Möglichkeit, das Hotel- und Gastronomiegeschäft im Inklusionsbetrieb kennenzulernen. Auch sie profitieren von individuellen Trainings und gezielten Empfehlungsgesprächen.

Da in Essen seit Ende 2017 rund 1.500 neue Hotelbetten entstanden sind, führen die gewachsenen Kapazitäten zu einem höheren Konkurrenzdruck, den auch das Hotel Franz spürt. Die veränderte Hotellandschaft der Stadt hat dazu beigetragen, dass spontan reisende Wochenendgäste mitunter die teilweise sehr günstig angebotenen Zimmer der neuen Hotels buchen, auch wenn diese Häuser weniger Sterne haben. Durch den leichten Rückgang bei den Wochenendgästen – der weniger stark war als erwartet – und ein schwieriges Tagungsgeschäft am Jahresanfang hat das Hotel seine angestrebten Ziele für 2018 nicht ganz erreichen können.

Auf die veränderte Hotel-Situation in Essen reagiert das „Franz“ mit einer offensiven Strategie und setzt auf Investitionen in die eigenen Stärken: Die Anschaffung neuer Tagungstechnik macht Unternehmen die Entscheidung für das Hotel als Veranstaltungsort leicht. So konnten einige Firmen als Neukunden gewonnen werden, sowohl für Tagungen als auch im Bereich der Übernachtungen. Für 2019 ist die Investition in eine barrierefreie Sauna geplant, die den Hotelgästen einen weiteren Mehrwert bieten wird. Erfreulicherweise gibt es viele Stammkunden, die immer wieder gern zu kleinen und großen Veranstaltungen das Hotel buchen. Auch die Gästebewertungen sind weiterhin sehr gut. Für seine treuen Kunden hat das „Franz“ vor Weihnachten ein kleines „Dankeschön“-Event veranstaltet. Die kreative Aktion kam gut an und steht auch 2019 wieder auf dem Programm.

Der monatliche „Tanz im Franz“ in Kooperation mit der Tanzschule Lentz hat sich etabliert und macht das Hotel regelmäßig zum Treffpunkt tanzbegeisterter Essener. Die Bürger der Stadt und Gäste von außerhalb begegnen dem „Franz“ auch im Grugapark bei verschiedenen Veranstaltungen – vom winterlichen „Parkleuchten“ bis zum Event „Essen erntet“, an dem sich das Hotel zum ersten Mal beteiligt hat. Der Betrieb des Kiosks am Landaus deckt die gesamte Saison ab. Gleichzeitig treiben die Stadt Essen und das Hotel die Planungen für den Betrieb eines neuen Bauerncafés und auch des Landhauses selbst weiter voran, damit an diesen beiden Standorten im Grugapark neue, attraktive Gastronomieangebote entstehen können. Überall kommen dann auch Mitarbeiter mit Behinderung zum Einsatz, sodass das inklusive Konzept immer weitere Kreise zieht.

Das Team aus dem „Franz“ begrüßt die Gäste gut gelaunt bei Veranstaltungen im Grugapark.

21.875

Mahlzeiten hat die Großküche im Jahr zubereitet

964

Zimmer pro Monat sind durchschnittlich im Hotel Franz belegt. Das entspricht einer sehr guten Auslastung von 66 Prozent.

Das Hotel errreicht zudem hohe Zufriedenheitswerte in verschiedenen Portalen, zum Beispiel 5,8 von 6 Punkten bei HolidayCheck und 8,9 Punkte von 10 bei hotel.de

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